Wie bei so vielen Dingen im Leben, sind wir leider selbst Teil des Problems! Auch bei unserer zwischenmenschlichen Kommunikation tragen wir selbst stark dazu bei, dass sie nicht ganz so gut läuft, wie wir es gerne hätten.
Wenn du dich ständig streitest, dich unverstanden fühlst oder es dir vorkommt, als hätte ein Gespräch ohnehin keinen Zweck, dann liegt es oft auch zu einem großen Teil an dir.
Ein Gespräch besteht immer aus mindestens zwei Personen. Und in einem Konflikt legen wir gerne den Fokus auf die andere Person. Sie ist im Unrecht und sie muss sich ändern! Wesentlich seltener kommen wir auf die Idee, dass wir vielleicht der schwierige Part sind und uns selbst hinterfragen müssen.
Auch wenn wir es oft wünschen, haben wir keinen großen Einfluss darauf, wie eine andere Person denkt oder sich verhält. Zu versuchen, sie zu kontrollieren führt nur zu mehr Frust – bei uns und bei den anderen.
Das Einzige, worüber wir wirklich Kontrolle haben ist unser Denken und unser Verhalten. Und das Arbeiten an uns selbst und unseren Einstellungen oft schon ziemlich positiven Einfluss auf unsere Gespräche. Wir können zwar nicht jedes Problem nur von unserer Seite aus lösen, aber wir können viel dafür tun, dass wir einander besser verstehen.

In dieser Anleitung teilen wir, was uns geholfen hat, unsere Kommunikationsprobleme zu erkennen und zu beheben (oder zumindest zu wissen, woran wir arbeiten müssen).
Damit wollen wir nicht sagen, dass diese Anleitung all deine Probleme löst. Menschen sind komplex und unsere zwischenmenschliche Kommunikation ist genau so komplex. Wir trauen uns nicht ansatzweise zu behaupten, die “Wahrheit” zu kennen und das System entwickelt zu haben, das uns alle dazu bringt, uns lieb zu haben.
Wir teilen hier nur ein paar Dinge, die wir gelernt haben und von denen wir glauben, dass sie jedem einzelnen sehr helfen können, seine Kommunikationsprobleme im Alltag besser zu lösen.
Wir freuen uns immer über andere Perspektiven und Ideen, um diese Anleitung zu erweitern. Wenn du mit dem Lesen fertig bist, schreib uns gerne eine E-Mail mit deinem Feedback und deinen Vorschlägen!
Warum überhaupt die eigene Kommunikation verbessern?
Warum solltest du dich überhaupt mit deiner Kommunikation beschäftigen? Was hast du davon, dich selbst zu reflektieren und deine Muster zu bearbeiten?
An der eigenen Kommunikation zu arbeiten ist anstrengend. Wir müssen unsere Denkmuster verändern, uns Fehler eingestehen und oft gegen unsere natürlichen Tendenzen ankämpfen, alle anderen außer uns dumm zu finden!
Um dich überhaupt zu motivieren und in schweren Momenten motiviert zu bleiben, ist hier der Grund, warum es sich lohnt, an seiner Kommunikation zu arbeiten:
Dein Leben wird grundsätzlich einfach besser.
Ich weiß … das klingt ziemlich generisch, aber es ist einfach die Wahrheit! Es gibt wenige andere Fähigkeiten, die uns so sehr dabei helfen, alle Bereiche unseres Lebens ein bisschen besser zu machen.
Wir sind soziale Tiere und permanent unter Menschen. Egal ob es um die Arbeit, die Partnerschaften, die Familie oder die Gesellschaft im Allgemeinen geht: Wir reden miteinander. Ziemlich oft und ziemlich viel.
Und, wenn wir unsere Kommunikation verbessern hat das Einfluss auf all diese Bereiche.
- Wir verbessern das Verhältnis zu Kollegen/Angestellten und erreichen beruflich eher das, was wir wollen
- Wir drücken uns selbst besser aus und schaffen eine tiefere Verbindung zu unserem Partner
- Wir können wieder mit Onkel Sepp reden und hassen es nicht mehr, auf Familienfeste zu gehen
- Wir werden offener für andere Meinungen, erkennen unsere blinden Flecken und treffen bessere Entscheidungen
- Wir erkennen, welche Fehler wir immer wieder machen und finden einen Weg, diese Fehler zu umgehen und uns nicht mehr im Kreis zu drehen
- Wir streiten uns weniger und verletzen uns weniger
- Unsere Einstellung gegenüber unseren Mitmenschen und der Gesellschaft im Generellen wird positiver
- Und schlussendlich: Mehrere Studien von Dr. Janice Kiecolt-Glaser und Dr. Ronald Glaser zeigen, dass gute Kommunikation in der Partnerschaft einen positiven Effekt auf unser Immunsystem und unsere Gesundheit haben
Ich könnte die Liste noch lange weiterführen. Ich hoffe aber, das reicht erst mal, um den positiven Einfluss guter Kommunikation auf unser Leben zu verstehen.
Ich persönlich (der Autor Tobias) beschäftige mich mit dem Thema, weil in mir offensichtlich ein kleiner Prepper steckt (ein Mensch, der sich aktiv auf Krisen oder gesellschaftliche Notlagen vorbereitet). Aus irgendeinem Grund hab’ ich mir schon in meinen 20er-Jahren die Frage gestellt:
Wenn die Welt vor die Hunde geht, wir vor einer Apokalypse oder Armut uns bedroht … welche Fähigkeit wäre super nützlich?
Meine Antwort war Kommunikation. Egal was im Leben passiert, glaube ich, dass gut miteinander reden zu können einer der wichtigsten Skills ist, um aus vielen miserablen Lagen wieder rauszukommen. Vielleicht hilft auch dir diese Ansicht!
Warum fällt uns gute Kommunikation so schwer?
Wir können nichts dafür!
Na gut, wir können schon etwas dafür, aber ehrlicherweise macht es uns die menschliche Natur gar nicht so leicht, gut miteinander zu reden.
Mir kommt es manchmal so vor, als kämen wir nur halb fertig auf die Welt! Bestimmt hat es evolutionär gute Gründe, warum wir Menschen und unsere Gehirne und Hormone so sind, wie sie sind. Aber was auch immer diese Gründe sind, es macht uns das Kommunizieren miteinander teilweise ziemlich schwer.
Um unsere problematischen Kommunikationsmuster zu verstehen, müssen wir uns deswegen 3 Bereiche aus teilweise angeborenen und teilweise erlernten Mustern anschauen:
- Unser Gehirn
- Unsere Gefühle
- Unsere Muster
1. Wie unser Gehirn unsere Kommunikation erschwert
Ein ziemlich großer Nachteil unseres menschlichen Daseins ist – zumindest, wenn es um die Kommunikation geht – dass unser Bewusstsein leider in unserem Gehirn sitzt.
Wir sind der Mittelpunkt unserer Welt

Das führt dazu, dass wir die Welt sehr egozentrisch wahrnehmen. Wir sind der Mittelpunkt unserer Welt. Alles was passiert, passiert »um uns«, »mit uns« oder »durch uns«. Zumindest glauben wir das.
Wir neigen dazu, uns selbst als Auslöser für alles zu sehen. Deswegen nehmen wir viele der Dinge, die so passieren auch oft sehr persönlich. Es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass etwas einfach so geschieht, ohne dass wir einen Einfluss darauf haben.
Wenn unser Nachbar Musik auf voller Lautstärke hört, macht er das, um uns zu ärgern oder weil er keinen Respekt vor uns hat. Wir glauben, dass wir der Grund dafür sind, dass Dinge geschehen. Die andere Person handelt nur so, weil es uns gibt.
Die Wahrheit ist aber öfter eher die: Er ist ein rücksichtsloser Assi und macht das einfach, weil er nicht darüber nachdenkt, ob es jemanden stört.
Na gut … vielleicht ist das auch nicht ganz die Wahrheit. Ich will dir aber nur sagen, dass sein Verhalten unabhängig von dir ist und du sehr wahrscheinlich rein gar nichts damit zu tun hast.
Falls dein Kopf, lieber Leser, sich jetzt denkt … “Ne, ich bin mir sicher, dass er es nicht machen würde, wenn er mehr Respekt vor mir hätte!” … kann ich das verstehen. Willkommen im Problem des Bewusstseins!
Mehr dazu findest du auch hier: Dinge persönlich nehmen.
Wir wollen Sicherheit und Kontrolle
Das führt uns direkt zum nächsten Punkt: Wir lieben Sicherheit und Kontrolle.
Alles, was wir kontrollieren können ist für uns weniger gefährlich.
Deswegen haben wir ein sehr großes Verlangen danach, andere Menschen zu kontrollieren. Wir wollen Einfluss darauf haben, wie andere denken und handeln. Je mehr Einfluss wir haben (oder zu haben glauben) und je vorhersagbarer sich jemand verhält, desto sicherer fühlen wir uns.
Darum glauben wir (oder hoffen wir eher), dass wir das Verhalten von anderen ändern können. Wenn wir unserem Nachbarn »mehr Respekt« einflößen, veränder sich sein Verhalten. Mehr Respekt = Er macht die Musik leiser.

Wie aber schon gesagt, hat es sehr wahrscheinlich gar nichts mit uns zu tun, dass er die Musik so laut hat. Und mehr Respekt vor uns, wird sein Verhalten deswegen auch nicht ändern. Wir wünschen uns aber so sehr, dass wir die Situation irgendwie beeinflussen können, darum konstruieren wir diese Geschichte.
Im generellen haben wir kaum eine Chance, das Verhalten von anderen auch nur ansatzweise zu kontrollieren. (Abgesehen davon, wir sind in einer Machtposition wie Chef, Vorgesetze, Polizist etc.).
Vermutlich hast du auch schon unzählige Stunden deines Lebens damit verbracht, andere von deinen Ansichten überzeugen zu wollen. Und vielleicht hast du auch schon gemerkt, dass sie sogar Ja und Amen sagen, aber am Ende nichts an ihrem Verhalten oder ihrer Einstellung ändern.
Der Versuch andere zu überzeugen führt eher dazu, dass sie weniger mit dir über gewisse Themen reden oder aber nur noch mehr Argumente für ihre Position finden, um sich gegen deine zu verteidigen!
Mehr dazu: Andere kontrollieren wollen.
Wir haben unsere eigene Realität

Was uns wiederrum elegant zum nächsten Punkt bringt: Wir sehen die Welt so, wie wir sie sehen wollen.
Wir Menschen sind alle ein bisschen unterschiedlich. Wir wurden anders erzogen, haben andere Erfahrungen gemacht und haben unsere eigenen Stärken und Schwächen. Wir sehen die Welt durch unsere eigenen Filter und nehmen nur Dinge wirklich wahr, die zu unserem Weltbild und unseren Einstellungen passen. (Auch Confirmation Bias genannt.)
Deswegen glauben wir auch zu oft, dass unsere Sicht der Dinge die einzige Sicht der Dinge ist. Was wieder mit unserem blöden Bewusstsein zu tun hat! Wir kennen ja nur unsere Sicht und können nicht mal kurz in eine andere Person reinschlüpfen und schauen, wie ihr Leben und ihre Wahrnehmung so sind.
Wir sind also ziemlich stark davon überzeugt, dass wir die einzige Wahrheit kennen. Und wenn uns dann jemand von unserer Wahrheit abbringen will, sind wir nicht gerade dankbar dafür. Wir gehen eher in die Verteidigungshaltung und versuchen noch mehr Gründe zu finden, unsere Ansicht und unsere Weltanschauung zu rechtfertigen.
Darum funktioniert das nicht so gut, wenn wir andere von unserer Meinung überzeugen wollen. Auch dein Gegenüber hat seine eigene Wahrheit und glaubt, dass das die Wahrheit. Solange wir diese zwei Wahrheiten gegeneinander kämpfen lassen, verhärten sich nur die Fronten.
Mehr dazu: Unterschiedliche Weltansichten und unsere Gehirne funktionieren anders.
Generalisierungen machen

Unser Gehirn neigt dazu, einzelne Erfahrungen zu generalisieren und eine Wahrheit daraus zu machen, die immer zutrifft.
Unsere Fähigkeit Muster in Situationen zu sehen und generelle Aussagen über Situationen zu machen ist ziemlich hilfreich. Es spart unserem Gehirn viel Energie, wenn wir uns nicht jedes Mal aufs Neue überlegen müssen, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir über eine Straße laufen oder uns auf ein Fahrrad setzen.
Wir generalisieren allerdings leider auch das Verhalten unserer Mitmenschen und sagen dann Dinge wie: “Du hörst mir nie zu” oder “Nie kümmerst du dich um mich” oder “Du machst das immer!”
Nie, immer, jedes Mal usw. sind alles Anzeichen von Generalisierungen.
Wir nehmen eine Situation oder vielleicht eine, die zwei- oder dreimal vorgenommen ist und beschuldigen die andere Preson »immer so zu handeln«.
Das führt ziemlich oft zu Streit, weil das Gegenüber sich gegen die Beschuldigung verteidigen will – meistens auch zuerecht. Es wird wahrscheinlich viele Momente geben, bei denen der andere dir zuhört oder sich um dich kümmert. Diese positiven Momente ignorieren wir aber gern selbst und haben einen Tunnelblick, wenn wir sauer darüber sind.
Das Gleiche machen wir auch von Gruppen von Menschen, was uns zum letzten Punkt führt.
Wir gegen die Einstellung

Wie gesagt, liebt unser Gehirn das Energiesparen. Eine Sparmaßnahme ist, Dinge einfach kategorisieren. Zum Beispiel, indem wir Menschen in zwei Lager aufteilen: die Guten und die Schlechten.
Es ist eine menschliche Neigung uns zu einer Gruppe zugehörig zu fühlen und es ist auch eine menschliche Neigung, uns ein Feindbild zu schaffen:
- Wir sind die Linken und sind gegen die Rechten
- Wir sind Frauen und hassen Männer
- Die Machos von Sales gegen die Tussies aus dem Marketing und so weiter.
Diese Art von binärem Denken ist der Zündstoff für große, gesellschaftliche Konflikte. Sobald wir uns für eine Gruppe entscheiden und diese Gruppe ein starkes Feindbild hat, geht es uns nicht mehr darum, die Wahrheit zu verstehen. Wir wollen dann nur noch unsere Gruppe als die bessere dastehen lassen und unsere Werte und Ansichten verteidigen. Wir wollen keinen Frieden mehr, wir wollen die Vorherrschaft und wiedermal die anderen davon überzeugen, dass unser Weltbild das beste ist.
Wenn ich mir eine Sache wünschen könnte, um unzählige Konflikte, emotionale und mentale Gewalt, Armut und Tod zu verhindern, dann wäre es, dass die Leute aufhören in Wir-gegen-die-Mustern zu denken.
2. Was unsere Gefühle damit zu tun haben
Jetzt kennen wir die Tricks unseres Gehirns und wie sie uns die Kommunikation schwer machen machen. Aber wir können unserem armen Gehirn nicht die ganze Schuld an unserer teilweise miserablen Kommunikation geben. Auch unsere Gefühle tragen ihren Teil dazu bei.
Wir vermeiden das Thema Gefühle oft, weil wir es meistens nicht angebracht halten, über sie zu reden. Besonders im beruflichen Umfeld sehen wir Gefühle eher als Dinge, die hier gar nicht hingehören und nicht mit der Kommunikation zu tun haben. Dabei steuern unsere Gefühle wahrscheinlich 99% unseres Denkens und Handelns.
Unsere Gefühle bringen uns dazu uns anzuschreien, uns zu beleidigen, uns zu verteidigen, Gespräche zu vermeiden und so weiter. Wenn wir ihre Rolle ignorieren und nicht aktiv an oder mit ihnen arbeiten, wird das mit der Verbesserung der Kommunikation sehr schwierig. Ein bisschen so, als würden wir uns wundern warum ein Fisch ohne Wasser echt schwer atmen kann.
Aufmerksam für unsere Gefühle werden
Bevor wir an unseren Gefühlen arbeiten, müssen sie uns überhaupt mal auffallen:
- Wann hast du im Gespräch das Gefühl X?
- Was genau löst das Gefühl aus?
- In welchen Gesprächen hast du das Gefühl?
Diese und ähnliche Fragen sollten wir immer im Hinterkopf halten. Nur so können wir rausfinden, wo und wann unsere Gefühle auftauchen uns blockieren oder die Kontrolle übernehmen. Wenn wir sie bewusst erkennen und akzeptieren, dass sie da sind, können wir auch bewusst etwas an ihnen ändern.
Wir können unsere Gefühle beeinflussen
Der zweite Schritt ist zu verstehen, dass unsere Gefühle nicht aus dem Nichts kommen und wir gar nichts für sie können. Wir haben durchaus einen großen Einfluss auf unsere Gefühle.
So glauben wir, dass Gefühle entstehen:
- Irgendwas passiert: Jemand sagt wir sind zu dick.
- Wir haben ein Gefühl: Wir werden wütend.
- Wir handeln: Wir schreien die andere Person an.
Dieser Prozess ist für uns alle gleich.
Aber warum gibt es Person A, die gelassen auf einen solchen Kommentar reagiert, während Person B wütend wird und Person C zum Weinen anfängt?
Von 10 Menschen können 10 komplett unterschiedlich auf die gleiche Situation reagieren. Der Trick dahinter heißt: Geschichten!
Person C erzählt sich selbst eine komplett andere Geschichte als Person B es tut.
Wenn zu Person C jemand sagt: „Du bist zu dick.” Denkt sie: „Du hast recht. Ich hab schon so oft versucht abzunhemen aber ich schaffe es nicht. Ich finde keine Partnerin deswegen und ich bin ein Versager.” Das macht sie traurig.
Während Person B sich denkt: “Fick dich du Arsch. Du bist hässlich. Schau mal deine schiefen Zähne an. Ich hab es satt, wenn Leute denken, das Aussehen anderer kommentieren zu müssen.”. Das macht sie sauer.
Beide erzählen sich also eine komplett andere Geschichte zur Situation. Und diese Geschichten sorgen für komplett unterschiedliche Gefühle.
Wir müssen unseren Prozess von oben also kurz ergänzen:
- Irgendwas passiert
- Wir erzählen uns eine Geschichte
- Wir haben ein Gefühl
- Wir handeln

Das Gute daran ist, dass wir großen Einfluss auf diese Geschichte haben. Wir können die Geschichte, die wir uns erzählen beeinflussen. Alles im Detail dazu findest du hier: Die eigenen Geschichten verstehen.
Den überwiegenden Teil dieser Geschichten können wir auch mehr oder weniger einfach ändern. Natürlich gibt es Gefühle in uns, die eine tiefgehende oder traumatische Ursache haben und die wir uns lange und vielleicht auch mit fremder Hilfe anschauen müssen. In den meisten (Alltags-)Situationen und Diskussionen ist uns aber schon sehr viel damit geholfen, uns die Geschichten bewusst zu machen und sie aktiv zu beeinflussen.
Eine Sache, die wir in unseren alltäglichen Gesprächen zum Beispiel gerne tun: Schuldzuweisungen machen. Wir erzählen uns die Geschichte, dass eine andere Person an allem schuld ist und wir absolut gar nichts dafür können. Da steckt kein komplexes Gefühl dahinter, das wir lange analysieren müssen. Wir schieben einfach gern die Verantwortung von uns weg, besonders, wenn etwas schiefgelaufen ist. Darum erzählen wir die Geschichte, dass jemand anders schuld ist und dann können wir auch sauer auf die andere Person sein!
Uns dieser Geschichte bewusst zu werden und dann in die Geschichte einzubauen, dass wir selbst einen Teil dazu beitragen, wird uns ganz anders fühlen und reagieren lassen.
Gehen wir davon aus, dass Tom den Social-Media-Post verkackt hat und der Kunde sauer ist.
Jetzt denken wir vielleicht: “Der Kunde ist wieder unzufrieden. Das ist so typisch. Tom hört einfach nie zu, was der Kunde will. Außerdem hat er Rechtschreibfehler drin und die Farben des Posts sind auch nicht die Farben des Kunden.”
Damit haben wir eine perfekte Buh-Mann-Geschichte geschaffen und können sauer auf Tom sein.
Wenn wir allerdings unseren inneren Dialog ändern zu: “Was genau habe ich beigetragen? Hab ich nicht Tom in die Stelle gesetzt? Hab nicht ich ihm die Verantwortung gegeben? Hab ich den Fehler schon 10 Mal gesehen und nichts dagegen getan, dass das nicht mehr passiert?”, sehen wir plötzlich, dass wir vielleicht auch einen Teil dazu beitragen, dass die Situation so ist, wie sie ist.
Schon alleine dieses Umdenken sorgt dafür, dass wir mit unseren Gefühlen verhandeln und gar nicht mehr so sauer auf Tom sind, wie davor. Das Problem ist immer noch da und wir müssen es immer noch lösen. Aber jetzt können wir es produktiv lösen, ohne Tom die Schuld an allem zu geben und ihn nur dazu zu bringen, sich schlecht zu fühlen und sich zu verteidigen.
Mehr dazu findest du in Rechtfertigungs-Geschichten und mit Gefühlen verhandeln.
3. Problematische Muster
Zu guter Letzt schauen wir uns ein paar problematische Muster an, die wir so an den Tag legen.
Glauben, recht zu haben

Wir sind meistens stark davon überzeugt, dass unsere Meinung die richtige ist und die Ansicht der anderen Person einfach falsch.
Wie beim Teil über unser Gehirn beschrieben, hat das viel damit zu tun, dass wir die Welt nur aus unseren Augen sehen. wir haben unsere Perspektive auf die Welt und glauben, dass wir alles aus unserer Perspektive erklären können. Die Welt ist allerdings oft etwas kompliziert! Und wenn wir ganz ehrlich mit uns sind, wissen wir über die meisten Tehmen über die wir so reden, eigentlich gar nicht so viel oder kennen nur einen Teil der Wahrheit.
Wir haben nie einfach recht. Es gibt immer etwas, das wir nicht wissen und wir müssen akzeptieren, dass andere Menschen Dinge vielleicht besser wissen, als wir selbst. Mehr dazu unter: Glauben, recht zu haben.
Überzeugen wollen

Diese Tendenz ist die logische Weiterführung davon, dass wir glauben, recht zu haben. Solange wir an dem Glauben festhalten, dass wir die Wahrheiten kennen und die andere Person nicht, wollen wir nicht lernen, sondern sie einfach überzeugen. Wir glauben ja schon, alles zu wissen und nichts mehr lernen oder verstehen zu müssen.
Deswegen versuchen wir, der anderen Person einfach unsere Meinung aufzudrängen und ihre Ansicht als falsch hinzustellen.
Wie du vielleicht aus deinem echten Leben schon weißt, führt das meistens zu nichts Gutem. Wir lassen uns selten einfach von einer anderen Meinung überzeugen. Schon gar nicht wenn die andere Person uns einfach belehren will. Da gehen wir eher in die Verteidigungshaltung und schützen unsere eigene Position und unser Weltbild.
Wie oft hast du dich schon überzeugen lassen?
Mehr dazu: Lernen, statt überzeugen.
Schuldzuweisungen machen

Das haben wir im Beispiel von Tom schon gesehen. Unsere Default-Reaktion in problematischen Situationen: Erst mal einen Schuldigen suchen!
Darüber zu reden, wer Schuld hat, führt meistens zur Verteidigungshaltung. Die andere Person streitet die Schuld ab oder attackiert selbst mit Schuldzuweisungen. Plötzlich geht es nicht mehr um die Lösung, sondern nur noch um die Frage, wer mehr Schuld hat.
Keiner will beschuldigt werden! Und meistens gibt es auch gar nicht den einen Schuldigen. Wir sind oft selbst Teil des Problems. Wir haben unseren eigenen Beitrag dazu geleistet, dass die Situation ist, wie sie ist. Auch wenn es manchmal schwer zu glauben ist, sind wir selbst Teil des Problems, in dem wir uns befinden.
Viel wichtiger als jemanden zu beschuldigen und ihn dafür zu strafen, ist herauszufinden:
- Warum haben wir das Problem nicht kommen sehen?
- Wie können wir das Problem in Zukunft vermeiden?
Damit legen wir den Fokus wieder auf das Problem und können dafür sorgen, dass es in Zukunft auch behoben wird.
Glauben, die Intention anderer zu kennen

Wie oft glaubst du, schon zu wissen, was die andere Person in einem Gespräch denkt, sagen will oder warum sie etwas getan hat?
Wir neigen dazu zu glauben, uns das Verhalten anderer einfach erklären zu können und zu wissen, welche Absichten dahinterstecken.
Besonders problematisch ist das in Streitgesprächen, da wir die Intentionen anderer schnell negativ beurteilen. Wir unterstellen unserem Gegenüber dann Absichten wie: „Sie wollte mich nur verletzen“ oder „Er will mich bloßstellen“.
Gehen wir bereits mit solchen Gedanken in ein Gespräch, wird es schwer, neutral zu bleiben. Wir glauben ja schon zu wissen, warum das Gegenüber so gehandelt hat. Ein echtes Verstehen wollen wir gar nicht mehr. Die negativen Gefühle gewinnen und wir wollen eigentlich nur noch, dass die andere Person zugibt, im Unrecht zu sein.
Dass wir als Menschen eigene Vermutungen in das Verhalten anderer hineininterpretieren, lässt sich kaum verhindern. Aber wenn wir gut miteinander kommunizieren wollen, müssen wir uns dessen bewusst sein und aktiv gegen unsere Voreingenommenheit arbeiten und offen sein, dass die andere Person eine ganz andere Intention hatte, als wir dachten!
Mehr dazu: Glauben, die Intention zu kennen.
Glauben, dass der Zweck die Mittel heiligt
Wir bleiben beim Thema Intention, aber dieses Mal geht es um unsere eigene. Das gute alte Sprichwort „Der Zweck heiligt die Mittel“ ist in unserer zwischenmenschlichen Kommunikation alles andere als wahr oder hilfreich.
Wir haben wahrscheinlich alle schon hundertmal gesagt oder gehört: „Ich meinte es doch nur gut“ oder „Ich wollte doch nur helfen“.
Hinter diesen Sätzen steckt unser Glaube: Meine Absichten dahinter waren gut, es gibt also keinen Grund, warum du verletzt sein solltest.
Leider ist das nicht ganz so einfach. Nur weil die Absichten hinter einer Handlung für uns gut gemeint waren, heißt das nicht, dass die Konsequenzen davon nicht jemanden verletzt haben können. Und nur weil wir klarstellen, dass es nicht unsere Absicht war zu verletzen, fühlt sich die andere Person dadurch nicht plötzlich weniger verletzt.
Mehr dazu: Gute Intentionen machen negative Auswirkungen nicht besser.
Und ein paar Mehr!
Es gibt noch viele weitere Muster, die uns hier im Weg stehen können. Diese findest du alle in unseren Fehlern.
5 praktische Schritte, deine Kommunikation zu verbessern
Du hast eine Idee davon, was unsere Kommunikation so schwer macht und welche Fehler wir dabei selbst immer wieder machen.
Aber wie geht es jetzt weiter? Es gibt wahnsinnig viel Theorie über Kommunikation und du könntest vermutlich 10.000 Bücher darüber lesen. All diese Theorie bringt uns in der Praxis aber oft leider nicht sonderlich weiter.
Darum haben wir diese Seite erstellt, die die Theorie in Kriterien, Techniken und Fehler aufteilt, die praktische Hilfe im Alltag geben sollten.
Ansonsten arbeiten wir fleißig an Anleitungen wie dieser, um an spezielle Situationen und Problemstellungen zu arbeiten.
Zum Ende dieser Anleitung kommen jetzt zusammengefasst 5 Schritte, wie du jetzt wirklich an deiner eigenen Kommunikation praktisch arbeiten kannst.
1. Schreib dir auf, warum du deine Kommunikation verbessern willst
Wie am Anfang gesagt, ist seine Kommunikation verbessern keine leichte Arbeit. Wir reden uns schnell wieder ein, dass es doch gar nicht so wichtig ist oder sich der ganze Aufwand nicht lohnt.
Solange du motiviert bist, solltest du dir deine Gründe aufschreiben und am besten als Erinnerung an deinen Schreibtisch oder Kühlschrank hängen! Damit erinnerst du dich immer wieder daran, warum du das Ganze machst und warum es dein Leben besser macht.

2. Akzeptiere, dass du nicht die Wahrheit kennst
Wie du jetzt schon oft gehört hast, liegt ein Großteil der Kommunikationsprobleme daran, dass wir glauben, die Wahrheit zu kennen und recht zu haben.
Diesen Glauben gehen zu lassen ist einer der besten Wege, um unsere Kommunikation von jetzt auf gleich dramatisch zu verbessern. Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass unser Wissen nur auf unseren Erfahrungen unseren Glaubenssätzen und unserer Weltansicht beruht. Nichts davon ist »die Wahrheit«.
Wie uns die Geschichte der Menschheit gezeigt hat sind viele Ideen und Glauben, die wir so hatten, immer wieder überholt worden. Leute waren zu einer gewissen Zeit felsenfest davon überzeugt, dass die Erde eine Scheibe ist oder Götter Blitz und Donner machen. Hat sich herausgestellt … das ist weniger der Fall!
Und vermutlich sind sehr viele der Dinge, die wir gerade gesellschaftlich als wahr und richtig empfinden, in 100 Jahren überholt.
Wir haben nicht den Hauch einer Ahnung, was wirklich wahr ist und wissen über 99% der Themen auf der Welt viel zu wenig, um uns eine Meinung darüber zu bilden.
Ist es gut, wenn die Linke unser Land regiert? Keine Ahnung. Ist es gut, wenn es die Rechten tun? Keine Ahnung. Habe ich eine Tendenz: Ja. Heißt es, dass diese Tendenz die Wahrheit ist und ich alle davon überzeugen muss, so zu denken, wie ich es tue? Nein.
Je mehr wir akzeptieren, dass wir nichts wissen, umso offener werden wir dafür, dass wir voneinander lernen können, anstatt einander überzeugen zu müssen.
Eine spannende Technik, um die Sicht der anderen besser zu verstehen und nennt sich Looping für Understanding. Dabei geht es viel ums aktive Zuhören und die Sichtweisen der anderen zu reflektieren, um sie besser zu verstehen.

3. Lernen die Perspektiven anderer zu schätzen
Dieser Punkt hängt natürlich eng mit dem Punkt von eben zusammen. Wenn wir mal akzeptieren, dass wir nicht die Wahrheit kennen, werden wir offener für die Perspektive anderer.
Andere Perspektiven für wichtig zu halten ist die Grundlage dafür, dass wir uns bemühen einander zu verstehen, andere Meinungen zuzulassen und voneinander lernen.
Wie gesagt, wissen wir nicht, was richtig ist. Je mehr unterschiedliche Perspektiven wir hören, desto genauer können wir uns aber der Wahrheit annähern. Jeder von uns kennt einen Teil der Wahrheit und wenn wir alle Ansichten zusammen tun, können wir eventuell die Wahrheit besser verstehen oder zumindest in der jetzigen Situation bessere Entscheidungen treffen.
In seinem Buch „Prinzipien des Erfolgs“ beschreibt Ray Dalio, dass die Eigenschaft, »open minded« zu sein, zu den größten Erfolgsfaktoren seiner Karriere zählt. Je offener und neugieriger er für andere Perspektiven war, desto besser waren die Entscheidungen, die er für sich und seine Firma getroffen hat.
Mehr dazu auch hier: Dialog zulassen.

4. Lerne deine eigenen Geschichten kennen
Wie im Teil über die Gefühle beschrieben, geht es erst mal darum, aufmerksam zu werden:
- Welche Gefühle hast du in welcher situation?
- Warum sind sie da?
- Welche Geschichten erzählst du dir, die dieses Gefühl am Leben halten?
Nur wenn wir es schaffen, unsere Gefühle zu kontrollieren, können wir aus einem (anbahnenden) Streit ein produktives Gespräch machen.
Wie genau du das machst, findest du zum Beispiel in der Technik: mit Gefühlen verhandeln.

5. Lerne in Konflikten etwas Gutes zu sehen
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu Konflikten im Generellen. Wir scheuen uns gern vor Konflikten und unangenehmen Gesprächen.
Wenn Menschen reden treffen aber unweigerlich zwei Weltbilder aufeinander. Und früher oder später wird es immer zu Meinungsverschiedenheiten kommen.
Wenn wir ein gutes Miteinander wollen, kommen wir nicht drumherum diese Meinungsverschiedenheiten anzusprechen.
Im Buch „Crucial Conversations“ beschreiben die Autoren die schädlichsten Auswirkungen von Konflikten, wenn wir zu viel Zeit verstreichen zwischen dem Aufkommen und dem Lösen eines Konflikst.
Je länger der Konflikt unausgesprochen besteht, desto schlimmer sind die Auswirkungen:
- Unser Frust wird größer
- Unsere Geschichte wird stärker und die Meinung über das Gegenüber schlimmer
- Die negative Stimmung streut auf andere über (besonders in Firmen)
- Wir fangen an zu lästern
- Es wird immer schwerer sich für ein Gespräch zu motivieren
- und so weiter
Konflikte zu vermeiden führt leider nicht dazu, dass der Konflikt sich legt, sondern dass die negativen Auswirkungen davon immer massiver werden.

Ich selbst hab in meinem Leben oft Konflikte gemieden. Im Privatleben hat das nur zum Verlust von Beziehungen gefüht im beruflichen Kontext dazu, dass immer schlechte Entscheidungen getroffen wurden. Das Vermeiden über die schlechte Leistung einer anderen Person zu reden hat mich am Ende sogar knapp 80.000 EUR gekostet.
Konflikte sind hart. Konflikte führen dazu, dass man sich selbst eingestehen muss, Fehler gemacht zu haben und führen sie auch dazu, dass man eine Beziehung, geschäftliche Partnerschaft oder Sonstiges gehen lassen muss.
Aber das Vermeiden des Konfliktes macht das Problem nicht besser. Es zögert es nur länger hinaus und sorgt am Ende für nur noch mehr finanziellen oder emotionalen Schaden.
Mehr dazu auch hier: Konflikte sind gut oder hier: Gespräche vermeiden.