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Kommunikations-Kriterien

Wir sehen die Welt unterschiedlich

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Das Wichtigste im Überblick

  • Subjektiver Blick: Deine Wahrnehmung ist nur ein Ausschnitt, nicht die ganze Realität.

  • Kein „Richtig oder Falsch“: Diskussionen zeigen zwei verschiedene Sichtweisen, keine absoluten Wahrheiten.

  • Echte Offenheit: Wer aufhört recht haben zu wollen, versteht das Gegenüber wirklich.

  • Weniger Frust: Andere Realitäten zu akzeptieren spart Nerven und erweitert den eigenen Horizont

Worum geht's?

Vermutlich hattest du schon einmal im Leben eine Meinungsverschiedenheit mit jemandem (wenn nicht, melde dich, wir wollen mehr hören!).

Wir haben verschiedene Meinungen, weil wir im Laufe unseres Lebens verschiedene Erfahrungen machen und in unterschiedlichen Voraussetzungen aufwachsen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Sichtweisen auf Themen. Deine Sichtweise kommt dir vermutlich richtig vor. Eine Person mit anderen Erfahrungen kommt zu komplett anderen Schlüssen und hat dadurch unter Umständen komplett andere Sichtweisen auf ein Thema. Das Spannende: Vermutlich habt Ihr beide irgendwie unrecht! (Wie bitte??!!1!) Und vielleicht lägt Ihr beide deutlich richtiger, wenn Ihr Eure Sichtweisen zusammen tragen und zu einer ganzheitlicheren Sichtweise ausbauen würdet. <3

Ein Beispiel:

Gendern ist ein wundervoll polarisierendes Thema. Die einen hassen es, die anderen lieben es.

Für die einen ist Gendern eine Form der Gleichbereichtigung, Selbstbestimmtheit und Inklusion. Für die anderen ist es eine Verschandelung der Sprache, eine unnötige Veränderung oder ein Problem, das gesellschaftlich gerade überhaupt keine Priorität hat.

Aber wieso? Verschiedene Erfahrungen, verschiedene Meinungen.

Diese Idee hat der Wissenschaftler und Philosoph Alfred Korzybski schon vor Jahrzehnten ziemlich treffend beschrieben, mit der Aussage „The map is not the territory“ (Deutsch: „Die Karte ist nicht das Gebiet“ oder “die Landkarte ist nicht die Landschaft.”).

Jeder von uns hat eine eigene kleine Landkarte („map“) im Kopf. Diese ist geprägt durch:

  • Erziehung
  • Umfeld
  • Kultur
  • Erfahrungen
  • Werte und Überzeugungen
  • Emotionen …

Diese Karte ist aber eben nur ein subjektives, vereinfachtes Abbild der wirklichen Landschaft („territory“). Wir nehmen meist nur Informationen wahr, die für uns wichtig sind und interpretieren Situationen basierend auf unseren Erfahrungen und Meinungen.

Darum sind unsere Gedanken, Wahrnehmungen und unsere Sprache eben nicht die vollständige Realität, sondern nur ein subjektives Abbild davon.

Wenn wir miteinander reden, sprechen wir nicht über die Realität selbst, sondern immer über unterschiedliche, subjektive Bilder der Welt, die wir in unseren Köpfen zusammengebaut haben.

Unsere Perspektive ist immer nur ein Ausschnitt der Wahrheit.

Warum ist das wichtig?

Wenn wir verstehen und auch wirklich akzeptieren, dass unsere Sicht der Dinge nicht die Realität und nicht die Wahrheit ist, werden wir automatisch offener für andere Ansichten.

In den meisten Gesprächen geht es uns, wenn wir ehrlich zu uns sind darum »recht zu haben«. Wie in der Gender-Debatte, wollen wir gar nicht verstehen, warum die Person Gendern gut oder schlecht findet und welche Emotionen, Ansichten, Bedürfnisse und Erfahrungen dahinterstecken.

Wir finden die Meinung der anderen person aus irgendeinem Grund (den wir selbst oft nicht mal kennen lol) einfach … scheiße. Und wir wollen die andere Person davon überzeugen, dass ihre Meinung … scheiße ist. Nicht sehr konstruktiv, hm?

Solange wir stur davon überzeugt sind, dass unser Bild der Welt die komplette Realität ist und unsere Meinung deswegen immer die richtige, werden wir keine sinnvolle Diskussion miteinander führen.

Die Idee zu verinnerlichen, dass man selbst nicht die Wahrheit kennt, ist also (unserer Ansicht nach, ha!) die einzig wirkliche Grundlage auf der wir ein Gespräch auf Augenhöhe überhaupt führen können.

 

Vorteile für deine Kommunikation:

  • Mehr Verständnis für unsere Mitmenschen
  • Keine endlosen und sinnlosen Diskussionen »wer Recht hat«
  • Kein unnötiger Frust mehr, dass sich unser Gegenüber nicht überzeugen lässt
  • Wir haben die Freiheit unsere „Karte“ anzupassen und zu erweitern
  • Offenheit für die Wahrnehmung anderer und dadurch neue Ansichten und kreativere Lösungsansätze
  • Weniger Wut und Frust im Umgang mit anderen durch das Bewusstsein, dass ihre Karte ganz anders aussieht

Beispiele

Wir deuten selbst gleiche Worte komplett unterschiedlich

»Entspannung« kann für die eine Person bedeuten, drei Tage am Strand zu liegen, in der Sonne zu bruzeln und faul zu sein. Für jemand anderen kann Entspannung bedeuten, in drei Tagen 50 km durch die Berge zu wandern.

Die wirkliche Realität stimmt oft mit der Wahrnehmung nicht überein.

Wenn dir ein Freund vorwirft: „Du hörst mir nie zu!“, ist das objektiv vermutlich (hoffentlich) nicht die Wahrheit. Ab und zu bist du abgelenkt. von “nie” kann aber nicht die Rede sein. In der subjektiven Wahrnehmung (und der Karte) der anderen Person fühlt es aus irgendeinem Grund jedoch so an.

Techniken für die Kommunikation

Hier findest du Kommunikatios-Techniken, die dir dabei helfen, dieser Kriterium in Gespräch einzuhalten:

  • Mit Gefühlen verhandeln

    Bevor wir unsere Gefühle einfach rauslassen, ist es manchmal hilfreich, sie kurz zu reflektieren und darüber nachzudenken, woher sie kommen.

    Ein Gefühl von Wut, dann kommen Fragen, die man sich dazu stellt und dann wird das Gefühl kleiner.
  • Looping for Understanding

    Mit dieser Technik gehst du sicher, dass du die Perspektive der anderen Person auch wirklich verstehst.

    Zuhören und Nachfragen. Immer und immer wieder.
  • Der emotionale Fußabdruck

    Dein emotionaler Fußabdruck beeinflusst, wie du die Welt wahrnimmst: Welche Gefühle sind überhaupt okay? Welche nicht? Und wie reagier ich auf Gefühle anderer?

    Ein Fuß unterteilt in verschiedene Emotionen: Angst, Wut, Trauer, Freude und Stolz

Typische Fehler

Diese Fehler führen oft dazu, dass Gespräche nicht so laufen, wie wir es uns erhoffen oder sogar eskalieren:

  • Eine Diskussion gewinnen müssen

    Wir haben das starke Bedürfnis, eine Diskussion gewinnen zu müssen – manchmal auch auf Kosten der Beziehung zueinander! …

    Eine Sprechblase die traurig schaut und der Verlierer ist und eine, die mit ihren Muskeln flexed und die Diskusion gewonnen hat.
  • Dinge persönlich nehmen

    Wir nehmen Dinge oft viel zu persönlich und überschätzen den Einfluss, den wir auf eine Situation haben, was für unsere …

    3 Kreise. Der erste ist gefüllt und zeigt das verhalten von anderen. Der zweite zeigt, dass das Verhalten kaum mit uns zu tun hat. Der Dritte zeigt, dass wir massiv überschätzen, wie viel Einfluss wir auf das Verhalten anderer haben.
  • Glauben, Recht zu haben

    Wir glauben oft, dass wir recht haben und die andere Person nicht. Dieser Glaube ist aber Grundlage endloser zwischenmenschlicher Probleme! …

  • Schuldzuweisungen machen

    Wir neigen sehr gerne dazu, einen Schuldigen zu finden und die Schuld auf die andere Person zu schieben, wenn etwas …

    Schuldzuweisungen: Eine Comic-Hand, die auf die zeigt. Daneben steht "Du"

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