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Kommunikations-Kriterien

Unsere Gehirne funktionieren unterschiedlich

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Das Wichtigste im Überblick

  • Angeborene Voraussetzungen: Unsere Gehirne filtern und verarbeiten Informationen körperlich bedingt völlig unterschiedlich.

  • Es ist nix Persönliches! Reaktionsmuster sind oft keine böse Absicht, sondern schlicht unterschiedliche biologische Systeme.

  • Perfekte Symbiose <3: Stärken und blinde Flecken ergänzen sich!

  • Erwartungen hinterfragen: Wer versteht, wie das eigene Hirn tickt, verlangt nicht mehr, dass alle gleich funktionieren.

Worum geht's?

Unsere Gehirne sind alle ein bisschen anders “verdrahtet”. Das führt dazu, dass wir bestimmte Eindrücke und Informationen besser aufnehmen als andere und dadurch die Realität alle ein wenig anders wahrnehmen.

Dem einen liegt die Auseinandersetzung mit Details, die andere hat eher einen Blick für das große Ganze. Manche sind grundlegend kreativ und tendenziell chaotischer, während andere eher nüchtern und strukturiert ticken.

Anders als im Kriterium »Wir sehen die Welt unterschiedlich«, indem  es vor allem um die Realität geht, die unser Umfeld und unsere Erfahrungen formen, geht es hier um unsere angeborenen Vorraussetzungen. Wie geht mein Körper mit Hormonen um? Welche neurologischen Bedingungen liegen zu Grunde? Wir sind keine Hirnforscher*innen (was nicht ist, kann ja noch werden) aber wir wissen dank schlauer Wissenschaftler*innen: dein Hirn und mein Hirn könnten ziemlich unterschiedlich feuern!

Zwei Gehirne. Eins is gelb und eins ist grün. Sie funktionieren unterschiedlich.

Warum ist das wichtig?

Wenn wir uns bewusst sind, dass Menschen von Grund auf anders wahrnehmen, fällt es uns wesentlich leichter, andere Perspektiven und Ansichten zu akzeptieren und wertzuschätzen.

Wer wie unser Tobi eher das große Ganze sieht, profitiert enorm von detailorientierten Menschen. Besonders bei Rechtschreibfehlern (seid gnädig), der Steuer oder beim Datenschutz.

Wer so empathisch ist wie unsere Jane, profitiert enorm von Menschen, die sich gut abgrenzen können und ihr den Rücken stärken, das Gleiche zu tun.

Diese produktiven Symbiosen setzen voraus, dass man sich gegenseitig unterschiedliche Wahrnehmungen einräumt (ja, auch, wenn das natürlich auch gerne Mal unangenehme Reibung erzeugen kann, no pain no gain!).

Auch in Diskussionen wird es dir wesentlich leichter fallen, dich in den Standpunkt der anderen Person hereinzuversetzen, wenn du dir immer wieder klar machst, dass sie Dinge einfach anders wahrnimmt. Das Beste: Man muss die Unterschiede dann nicht persönlich nehmen. Dein Gegenüber hat vermutlich nichts gegen dich. Es denkt nur komplett anders. In den meisten Fällen gibt es einen gemeinsamen Nenner. Man muss ihn nur finden und dabei hilft es, erstmal Unterschiede als gegeben zu akzeptieren.

Hilfreich dabei ist, wenn du weißt, wie du selbst dir die Welt konstruierst:

  • Wie verarbeitet mein eigenes Gehirn Informationen? Wie nehme ich war? Wo sind dadurch meine natürlichen blinden Flecken?
  • Erwarte ich von anderen, dass ihr Gehirn genauso funktioniert, filtert und reagiert wie meins?
  • Was braucht das Gehirn meines Gegenübers, um meine Informationen überhaupt gut aufnehmen zu können?

Je objektiver wir uns selbst sehen, desto eher verstehen wir, warum wir wie in einem Gespräch reagieren. Es fällt uns leichter zu verstehen, warum wir vielleicht sauer, frustriert oder genervt mit einem Verhalten von jemand anderem sind, obwohl die Person eigentlich nichts tut, außer so zu denken, wie es ihr liegt, uns selbst aber nicht!

Eine wertvolle Ressource, um das rauszufinden ist der Principles-You-Test von Ray Dalio.

Vorteile für deine Kommunikation:

  • Mehr Akzeptanz für die Perspektiven anderer
  • Mehr Verständnis, wie man selbst Situationen bewertet
  • Die eigenen Grenzen der Wahrnehmung kennen
  • Mehr Motivation, unterschiedliche Perspektiven zu hören, um ein gesamtes Bild der Realität zu finden
  • Die Möglichkeit das perfekte “Hirn-Match” zu finden, um sich gegenseitig zu stützen und zu bereichern

Beispiele

Ergänzen statt verurteilen

Tom und Laura sind Kolleg*innen. Tom schickt Laura in einer stressigen Projektphase eine ellenlange To-do-Liste. Laura reagiert genervt und zieht sich zurück. Tom denkt: „Ihr ist das Projekt völlig egal!“ Laura denkt: „Er setzt mich völlig grundlos unter Druck!“

Die Ursache: Ihre Gehirne verarbeiten Stress völlig unterschiedlich. Toms detailorientiertes Hirn braucht in Krisen Ordnung und Checklisten. Lauras sensibles Kreativ-Hirn wird das schnell zu viel.

Sobald beide verstehen, dass hier zwei unterschiedliche biologische Systeme aufeinandertreffen, verfliegt der Frust. Niemand hat eine böse Absicht. Ohne defensiv zu werden mehrkt Laura, dass Ihr Toms Struktur sehr gut tut. Tom hingegen profitiert von Lauras spontanen Impulsen und Kursänderungen, die dazu führen er sich nicht in eine falsche Richtung verbohrt.

Techniken für die Kommunikation

Hier findest du Kommunikatios-Techniken, die dir dabei helfen, dieser Kriterium in Gespräch einzuhalten:

  • Der emotionale Fußabdruck

    Dein emotionaler Fußabdruck beeinflusst, wie du die Welt wahrnimmst: Welche Gefühle sind überhaupt okay? Welche nicht? Und wie reagier ich auf Gefühle anderer?

    Ein Fuß unterteilt in verschiedene Emotionen: Angst, Wut, Trauer, Freude und Stolz

Typische Fehler

Diese Fehler führen oft dazu, dass Gespräche nicht so laufen, wie wir es uns erhoffen oder sogar eskalieren:

  • Glauben, Recht zu haben

    Wir glauben oft, dass wir recht haben und die andere Person nicht. Dieser Glaube ist aber Grundlage endloser zwischenmenschlicher Probleme! …

Mehr Kriterien: