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Kommunikations-Technik

Deep Canvassing: Vorurteile abbauen

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Worum geht's?

Die Prinzipien des Deep Canvassing: Zuhören, neugierig bleiben, Geschichten teilen.

Deep Canvassing ist eine Gesprächstechnik, die tief verwurzelte Meinungen durch empathische, persönliche Gespräche aufdeckt und verändert.

Entwickelt wurde die Technik um 2010 in Amerika, um Vorurteile über gewisse gesellschaftspolitische Themen abzubauen. Alles fing damit an, dass Menschen  von Tür zu Tür wanderten und Anwohner direkt über ihre Meinung zu Themen befragten.

Das Ganze funktioniert aber natürlich auch ohne Haustür und ohne politische Agenda dahinter!

Die Idee hinter Deep Canvassing

Das Endziel von Deep Canvassing ist offengesagt jemanden dazu zu bringen, seine Meinung zu einem Thema zu ändern.

Anders als beim Überzeugen durch Argumente versucht man hier allerdings, durch wirkliches Zuhören, das Verstehen von Erfahrungen und das Teilen von eigenen Geschichten, eine Brücke zwischen unterschiedlichen Perspektiven zu bauen.

Im Endeffekt stellt man nur Fragen. Diese Fragen führen allerdings oft dazu, dass die andere Person sich mit ihrer Meinung aktiv auseinandersetzt, sie hinterfragt und selbst Lücken in ihrer Argumentation findet.

“There is no superior argument, no piece of information that we can offer that is going to change their mind. The only way they are going to change their mind is by changing their own mind—by talking themselves through their own thinking, by processing things they’ve never thought about before, things form their own life that are going to help them see things differently.”

– How Minds Change

Deep Canvassing ist von der Idee her ein wertfreies Gespräch auf Augenhöhe, das Menschen dazu einlädt, ihre Gefühle und Ansichten zu einem bestimmten Thema zu erkunden. Wir kommen nicht mit Argumenten in das Gespräch sondern suchen wirklich Verbindungen und Verständnis, um eventuell nachhaltiges Umdenken anzustoßen.

Notwendig ist deshalb die grundlegende Einstellung des Gesprächs: Man ist offen dafür, dass sich am Ende auch nichts ändert. Man kann akzeptieren, dass jeder seine Meinung hat und behalten kann und man ist auch okay damit, sich uneinig zu sein.

Das Ziel von Deep Canvassing

  • Einander besser verstehen
  • Gräben durch empathischen Dialog zu überbrücken
  • Angst und Vorurteile abbauen
  • Nachhaltige Meinungsveränderungen schaffen

Die Erfolge von Deep Canvassing

Es gibt mittlerweile viele Experimente und Studien, die den Effekt von Deep Canvassing belegen.

Eine Studie aus 2020 zeigt, dass jeweils 8 von 100 Deep-Canvassing-Gesprächen dazu führten, dass die Personen mit denen gesprochen wurde, ihre Meinung änderten.

Die Gespräche steigerten die Unterstützung für die Einbeziehung von Immigranten in amerikanische Sozialprogramme wie Medicaid. Sie steigerten auch die Unterstützung der Befragten für das Einbeziehen der Immigranten in Programme, die im Gespräch gar nicht erwähnt worden waren. Und die Gespräche verringerten die Zustimmung der Wähler zu Aussagen wie „Menschen ohne Aufenthaltsstatus sind eine Belastung für meine Gemeinschaft“. (Hier geht es zur vollen Studie: Building a bigger we.)

Die meisten Studien zeigen, dass Deep Canvassing eine Erfolgsquote von ca. 10% hat. Es ist also kein magischer Trick, um Meinungen zu ändern, aber wesentlich effetkiver, als alle anderen bisher genutzten Methoden.

So funktioniert's!

Wir weichen hier ein wenig vom klassischen Deep-Canvassing-Ansatz ab, da ich nicht vermute, dass du von Tür zu Tür laufen willst, um mit Leuten zu reden. Wir legen auch das Ziel ein bisschen mehr auf das Verstehen, als darauf »eine Meinungsveränderung zu wollen«.

Wir wollen oft genug andere von unserer Meinung überzeugen, das Ziel » zu verstehen« ist vielleicht mal eine nette Ausnahme!

Vorbereitung

  1. Überlege dir ein Thema: Worüber willst du sprechen? Welche Meinung stört dich bei anderen und du würdest gern mehr darüber erfahren?

  2. Setze dir das Ziel, zu verstehen: „Ich will mehr über Thema X verstehen und was Menschen dazu motiviert, so zu denken“

  3. Bereite dein Skript vor: Halte 5–7 offene Fragen bereit sowie eine persönliche Geschichte, die du in 90 Sekunden erzählen kannst.

  4. Stecke dir ein Zeitlimit: Ein Gespräch sollte maximal 15–20 Minuten dauern.

Das Gespräch in 10 Schritten

  1. Suche dir Menschen für das Gespräch: Im Prinzip kannst du das Gespräch mit jedem führen, egal ob Freude, Verwandte oder Fremde. Bei Fremden würden wir empfehlen, einen kleinen Einstieg wie diesen zu wählen: „Hey, ich engagiere mich ehrenamtlich für Thema X. Hättest du kurz 10 Minuten Zeit für ein Gespräch? Ich bin hier, um zuzuhören, nicht um zu debattieren.“

  2. Die erste Orientierung: Wo stehen sie beim Thema? „Auf einer Skala von 0 bis 10, wo siehst du dich beim Thema X? Warum genau diese Zahl?“

  3. Lade ein, eine Geschichte zu teilen: „Woher kommt die Haltung?“ Lass sie frei sprechen und ermutige sie sanft mit: „Erzählen Sie mir mehr darüber.“

  4. Zeige, dass du zuhörst: Gib das Gesagte in eigenen Worten zurück und frage nach den Emotionen: „Du bist also hin- und hergerissen zwischen X und Y, richtig?“

  5. Teile deine eigene Geschichte: Erzähle eine eigene echte und persönliche Erfahrung. Konzentriere dich darauf, wie es sich angefühlt hat und was sich für dich verändert hat, ohne zu belehren.

  6. Sprich über Werte und Empathie: „Welche Werte sind dir hier am wichtigsten? Sicherheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Familie?“. „Stell dir vor, jemand, der dir nahesteht, wäre mit [ähnlicher Situation] konfrontiert. Wie würde sich das auf dich auswirken?“

  7. Sanft Widersprüche erkunden: „Wie passt das mit deinem Wert [genannter Wert] zusammen, wenn [widersprüchliche Tatsache] passiert?“ Das regt zum Nachdenken an, ohne Druck auszuüben.

  8. Behutsam auf Ängste eingehen (falls relevant): „Manche Leute sagen [häufige Sorge]. Was denken Sie darüber? Was würde Sie dazu bringen, das zu hinterfragen?“

  9. Prüfen, ob sich die Meinung verändert hat: „Wo würden Sie sich nach unserem Gespräch jetzt auf der Skala von 0 bis 10 einordnen? Was hat sich verändert oder ist gleich geblieben?“

  10. Mit Dankbarkeit abschließen: „Vielen Dank für die Zeit und Offenheit. Ich habe [kurze Zusammenfassung] gelernt.“

Beispiele