Kommunikations-Kriterien

1.2 Lernen statt überzeugen

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Worum geht's?

»Lernen statt überzeugen« ist eine der wichtigsten Haltungen für gelungene Kommunikation. Das Ziel ist, die Perspektive zu wechseln. Weg von „Ich habe recht, und ich werde dir das jetzt beweisen!“ hin zu „Erzähl mal, wie du das siehst!“

Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, ist ein Gespräch kein Ich gegen dich, sondern eher ein Austausch zweier (oder mehrerer) Weltanschauungen. Und auch wenn wir es gerne so hätten, gibt es dabei selten ein klares Richtig oder Falsch.

Anstatt zu versuchen, zu überzeugen und alles nach deinem Kopf laufen zu lassen, wollen wir also unsere eigenen Eindrücke teilen („Ich sehe das so“) und versuchen, die andere Seite zu verstehen ( „Und wie siehst du das?“).

Das Ziel ist, gemeinsam zu erkunden, was wirklich hinter dem Problem steckt, und einen Weg zu finden, wie es weitergehen kann. Die innere Einstellung sollte sich verändern von „Du musst verstehen!“ zu „Hilf mir zu verstehen.“

Das Prinzip basiert auf der Erkenntnis, dass Überzeugung meist Widerstand erzeugt, während echtes Zuhören und Lernen Vertrauen und Offenheit fördern. Der nette Nebeneffekt bei diesem Vorgehen ist nämlich, dass auch die Wahrscheinlichkeit deutlich steigt, dass sich die andere Person öffnet, deine Sichtweise annimmt und sich überzeugen lässt.

Fragen stellen ist besser als sprechen.

Warum ist das wichtig?

  • Das Problem verstehen: Nur wenn du die Perspektive der anderen Person verstehst, siehst du, warum ein Problem überhaupt existiert.
  • Mehr Platz für Einfluss schaffen: Wenn die andere Person mit ihren eigenen Ansichten und Gefühlen beschäftigt ist, hat sie keine Zeit, dir zuzuhören und deine Ansicht nachzuvollziehen. Wenn du es zulässt, dass die Person ihre Ansicht teilen kann, ist ihr Kopf nicht mehr damit beschäftigt und offen für Neues.
  • Selbst besser gehört werden: Anderen zuzuhören und sie zu verstehen, macht sie offener dafür, dir zuzuhören.
  • Grundbedürfnisse erfüllen: Gehört zu werden, ist eines unserer menschlichen Grundbedürfnisse. Nur wenn wir das Gefühl haben, dass jemand uns sieht und uns wertschätzt, fühlen wir uns sicher. Und je sicherer wir uns fühlen, desto kompromissbereiter sind wir

Vorteile so zu kommunizieren:

  • Weniger Konflikte: Wenn wir lernen statt überzeugen, werden Gespräche offener und mehr eine Kollaboration anstatt eine Konfrontation.
  • Bessere Zusammenarbeit: Eine lernende Haltung bringt mehr Verständnis, mehr Vertrauen und auch das Wissen, was die andere Person benötigt, um gut zu arbeiten.
  • Kreativere Lösungen: Zuerst ist es wichtig zu verstehen, dass du nur eine von vielen Perspektiven auf die Welt hast. Danach fällt es viel einfacher, zu sehen, warum von anderen zu lernen, zu mehr und kreativeren Lösungen führt.
  • Persönliches Wachstum: Die Perspektive der anderen Person, hilft uns, unsere eigene Sichtweise zu erweitern. 
  • Empathie: Du kannst dich besser in die Lage und die Ansichten der anderen Person hineinversetzen. Dadurch steigt deine Empathie, was wiederum dazu führt, dass du kompromissbereiter wirst.
  • Persönlicher Einfluss: Personen, die anderen zuhören, werden im Generellen mehr gemocht und ihre Argumente werden als stärker wahrgenommen. Sie werden auch öfter für Rollen wie Teamleiter oder sonstige Führungspositionen vorgeschlagen.

Beispiele

Politische Diskussionen

Ein heißes Thema: Politische Debatten. Aber auch hier gilt das Gleiche: Anstatt die andere Person davon zu überzeugen, dass die Ansichten ihrer Partei schei*e sind, solltest du versuchen, einen lernenden Standpunkt einzunehmen.

Es geht in erster Linie darum, zu verstehen, was die andere Person bewegt, die Ideen der Partei gut zu finden.

Zu verstehen, heißt nicht, dass wir zustimmen müssen!

Als Führungskraft Entscheidungen treffen

Auch für Führungskräfte ist es wichtig, dass man seine Mitarbeitenden nicht einfach von der eigenen Meinung überzeugt (oder sie damit überfährt).

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, sollten die Perspektiven und Meinungen der Personen eingeholt werden, die von den Konsequenzen betroffen sind.

Das ist besonders in diesen Situationen wichtig, da hier das Machtgefälle dafür sorgt, dass eine Entscheidung nicht hinterfragt wird – auch wenn sie vielleicht sogar schädlich für die gesamte Organisation ist.

Techniken für die Kommunikation

Hier findest du Kommunikatios-Techniken, die dir dabei helfen, dieser Kriterium in Gespräch einzuhalten:
  • Looping for Understanding

    Mit dieser Technik gehst du sicher, dass du die Perspektive der anderen Person auch wirklich verstehst.

    Zuhören und Nachfragen. Immer und immer wieder.

Typische Fehler

Diese Fehler führen oft dazu, dass Gespräche nicht so laufen, wie wir es uns erhoffen oder sogar eskalieren:
  • Glauben, Recht zu haben.

    Wir glauben oft, dass wir recht haben und die andere Person nicht. Dieser Glaube ist aber Grundlage endloser zwischenmenschlicher Probleme! …

    Mehr zu Glauben, Recht zu haben.

Weitere Ressourcen

Mehr Kriterien dieses Prinzips: